Aron Hector Schmitz, Ettore für die Familie und Italo Svevo für die Welt, kam am 19. Dezember 1861 in einer bürgerlichen jüdischen Familie in Triest zur Welt. Seine Ausbildung –er besuchte das Internat von Segnitz in Bayern und die höhere Handelsschule Revoltella in Triest– und beginnt daraufhin in der Triester Filiale der Wiener Unionsbank zu arbeiten.
Seine Liebe zur Literatur bringen ihn dazu viele Novellen und Theatertexte zu verfassen und gemeinsam mit seinem brüderlichen Freund Umberto Veruda (1868-1904), anerkannter, durch den deutschen Impressionismus beeinflusster, Porträtmaler, bevorzugt in Künstlerkreisen und den Redaktionen der Stadt zu verkehren.

1896 ändert die Heirat mit seiner Cousine Livia Veneziani sein Leben und bald auch seine berufliche Tätigkeit. Svevo beginnt in der Firma seiner Schwiegereltern mitzuarbeiten, in der ein besonderer Unterwasserlack hergestellt wird, der das Anwachsen von Algen und Muscheln an den Kielen der Schiffe behindert. Er ist einer der Wenigen, die die geheime Formel kennt. Ettore zieht in die Villa der Schwiegereltern neben der Farbenfabrik in der Promenade Sant’Andrea. Die Villa, in der er sein ganzes Leben über gewohnt hat, wird bei der Bombardierung 1945 zerstört.

Italo Svevo

Die Expansion der Firma und die Eröffnung neuer Filialen (auf der Insel Murano, in der Lagune von Venedig und besonders in London) absorbieren viel Kraft Svevos, der eine wechselnde und heimliche Beziehung zur Belletristik aufrecht erhält, der sich die geduldige Missbilligung seitens der Familie und der Misserfolg seiner beiden ersten Romane in den Weg stellen: Er veröffentlichte Una vita – Ein Leben (1892) und Senilità (früher; Ein Mann wird älter) (1898) auf eigene Kosten beim Triester Verleger-Buchhändler Vram. Diese verblieben aber in seiner eigenen Stadt ohne literarisches Echo. Aufgrund der vielen notwendigen Reisen nach England musste er seine Englischkenntnisse verbessern und lernte so den genialen irischen Schriftsteller James Joyce kennen, der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts dem Triester Bürgertum als Englischlehrer diente.
Joyce bewirkt bei Svevo “la resurrezione di Lazzaro”- Die Auferstehung des Lazarus (Definition des Triesters), indem er in ihm das Vertrauen zu seinen künstlerischen Fähigkeiten wiedererweckt und ihn dazu bringt sein Werk erneut richtig zu beurteilen. In La coscienza di Zeno – Zenos Gewissen, dem Meisterwerk Svevos, bemerkt man diese Injektion aus Vertrauen, aber die Antriebe, die sein Werk beeinflussen, sind vielfältig: Vor allem die Entdeckung der freudianischen Psychoanalyse.

In seinen letzten Lebensjahren wird Svevo endlich berühmt und der Wert seiner Werke seitens der Kritik (von den Italianisten Cremieux und Larbaud in Frankreich, Montale und dann Debenedetti in Italien) und vom Publikum anerkannt. Am 13. September 1928 stirbt er in einem Verkehrsunfall. Im März desselben Jahres wurde er im Pen Club in Paris von etwa fünfzig der größten europäischen Schriftsteller und Intellektuellen gefeiert, unter diesen James Joyce, Giuseppe Prezzolini, Jules Romain, Ivan Goll und Giovanni Comisso.
Ettore Schmitz ruht im Familiengrab der Veneziani, im katholischen Friedhof von Triest, während seine Familienangehörigen im jüdischen Friedhof liegen. Svevo hatte sich nämlich nach der Heirat mit Livia zur Katholizität bekehrt.

Biblioteca Hortis

 

  1. GEBURTSHAUS
  2. GRUNDSCHULE
  3. HÖHERE HANDELSSCHULE “REVOLTELLA”
  4. FILIALE Nr. 12 DER UNIONSBANK
  5. STÄDTISCHE BIBLIOTHEK ATTILIO HORTIS
  6. STATUE
  1. WOHNUNG DER JUGENDZEIT
  2. ARKADEN VON CHIOZZA
  3. THEATER VERDI
  4. CAFÈ FABRIS
  5. BERLITZ SCHOOL
  6. STADTPARK DE TOMMASINI

1. GEBURTSHAUS VON ARON HECTOR SCHMITZ

Via dell’Acquedotto, 16 (heute Viale XX Settembre, 16)

CASA NATALE DI ARON HECTOR SCHMITZ

Hier kam Hector Aron Schmitz am 19. Dezember 1861 als Kind von Allegra Moravia und Francesco zur Welt. In diesem Haus wohnt er bis 1881. Die Straßen dieses Stadtviertels sind die Bühne, auf der sich viele Figuren seines literarischen Schaffens bewegen.

An einem Abend, Anfang Januar, ging Balli alleine voller Unmut am Aquädukt entlang
- Senilità, 1898 -

 

2. GRUNDSCHULE

Via della Legna, 5 (heute via Gallina, 5)

Ettore Schmitz besucht die von Sabbat Raffaele Melli, der damals der stellvertretene Rabbiner Triests war, geleitete private Jungenschule. Die Schule befand sich in der Wohnung Mellis, in Via della Legna, heute Via della Gallina, die von Piazza San Giovanni zu Piazza Goldoni führt. Sie hieß damals Via della Legna (des Holzes), weil dort der Markt des aus Istrien eingeführten Holzes stattfand.
Mit 11 Jahren kam er auf die jüdische Privatschule von Emanuele Edeles und von 1874 bis 1878 besuchte er das Brussel’sche Institut von Segnitz in Bayern.

3. HÖHERE HANDELSSCHULE “PASQUALE REVOLTELLA”

Via Carducci, 12

Zwischen 1878 und 1880 besuchte er die Höhere Handelsschule Revoltella, die von Baron Pasquale Revoltella gegründet wurde. Ettore kehrt später als Lehrer in diese Schule zurück. Das Institut gründete die erste Abteilung der Fakultät für Wirtschaft und Handel der Universität von Triest.

4. FILIALE N. 12 DER UNIONSBANK

Galleria Tergesteo, treppe 1 (heute via Einaudi, 1)

FILIALE N. 12 DELLA BANCA UNION

Am 27. September 1880 bricht er sein Studium aufgrund von finanziellen Problemen seiner Familie ab und beginnt in der Triester Filiale der Wiener Unionsbank als Angestellter für die ausländische Korrespondenz zu arbeiten. In diesen Jahren schreibt Svevo Una vita – Ein Leben, seinen ersten Roman, dessen Hauptfigur Alfonso Nitti ein Bankangestellter ist.

Er verlässt die Bank 1898, nach seiner Heirat, um in der Fabrik Veneziani zu arbeiten. Die Galerie befindet sich in der Nähe vom Börsenpalast und war ein Treffpunkt für die Triester Geschäftsmänner. Genau am Tergesteo lernt die Hauptfigur Giovanni Malfenti in Coscienza di Zeno – Zenos Gewissen seinen späteren Schwiegervater kennen.

Ich kam auf Rat der Olivi zum Tergesteo, da diese mir sagten, dass es gut wäre, am Anfang meiner Handelstätigkeit in der Börse zu verkehren
- La coscienza di Zeno, Zenos Gewissen 1923

5.  STÄDTISCHE BIBLIOTHEK ATTILIO HORTIS

Piazza Lipsia (heute piazza Attilio Hortis)

BIBLIOTECA CIVICA ATTILIO HORTIS

Der zwischen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Palast wurde 1804 Eigentum der Biserini und ging 1817 in den Gemeindebesitz über. Diese brachte dort die Kaiserliche und Königliche Handels- und Schifffahrtsakademie unter. Der Palast wurde von Pietro Nobile renoviert. Die Städtische Bibliothek wurde 1820 dort untergebracht.

1873 wurde Attilio Hortis, Wissenschaftler und Politiker, zu ihrem Direktor ernannt. 1950 erhielten die Bibliothek und der davorliegende Platz seinen Namen. Ettore Schmitz und Alfonso Nitti gingen dorthin nach der Arbeit in der Bank.

Er entdeckte die Städtische Bibliothek und die ihm zur Verfügung stehenden Jahrhunderte an Kultur, ließen seine magre Geldbörse sparen. Mit ihren festen Öffnungszeiten band die Bibliothek ihn, brachte seinem Studium die Regelmäßigkeit, die er sich wünschte.

Er machte hier wenige Bekanntschaften. Trat in den langen Lesesaal voller parallel stehender Tische ein, besetzte irgendeinen Platz und verblieb dort einige Zeit versunken mit dem Kopf zwischen den Händen lesend, dass er nicht mal sah, wer sich neben ihn setzte.

- Una Vita, Ein Leben 1892

6. STATUE

Piazza Hortis

Statua di Svevo

Die Bronzestatue des Bildhauers Nino Spagnoli steht auf dem Platz seit 2004 und stellt den Schriftsteller auf dem Weg zur Städtischen Bibliothek dar.

7. WOHNUNG DER JUGENDZEIT

Via Battisti, 12 (Corsia Stadion, 12)

Corsia Stadion

In den Jahren, als Ettore in der Unionsbank arbeitete, hat die Familie Schmitz scheinbar in der Corsia Stadion gewohnt, wohin sie von der parallel zu dieser verlaufenden Via dell’Acquedotto gezogen war.

Ich hatte das Glück in Corsia Stadion ein noch geöffnetes und beleuchtetes Tor zu finden, unter dem ich Zuflucht nehmen konnte! Sofort danach prasselte der Regen auf die Straße. Das Brausen des Regens wurde durch einen rasenden Windstoß unterbrochen, der auf einmal das Donnern zum Greifen nah scheinen ließ. Ich fuhr zusammen! Es wäre schon bloßstellend gewesen, falls mich der Blitz, zu dieser Zeit, in Corsia Stadion erschlagen hätte! Gott sei Dank wusste auch meine Frau, dass ich ein Mann mit seltsamen Vorlieben bin, der bis hier nachts hätte laufen können. Von daher gibt es immer eine Ausrede.

- La coscienza di Zeno – Zenos Gewissen, 1923

8.  ARKADEN VON CHIOZZA

PORTICI DI CHIOZZA

Die Arkaden von Chiozza, nach dem Namen des Architekts benannt, der sie entworfen hatte, besaßen zurzeit Svevos zwei Bögen (bei der folgenden Renovierung des Palastes überlebte nur einer). Svevo kam dorthin, um das gleichnamige Café, Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle, zu frequentieren, und insbesondere um seinen Freund und Maler Umberto Veruda zu sehen (der ihn zur Figur Stefano Balli in Senilità inspirierte). Veruda hatte gemeinsam mit seinen Malerkollegen Carlo Wostry und Isidoro Grünhut sein Atelier neben dem Café in Nr. 20 der Via Carducci. Vereint durch ihre Leidenschaft für den deutschen Impressionismus riefen die drei Künstler eine der besten Zeiten der Triester Malkunst, Ende des 19. Jahrhunderts ins Leben. Außerdem gehörten sie ab 1884 zu den leidenschaftlichsten Initiatoren des Triester Kunstvereins.

Eines Abends sollte er sie um Punkt acht treffen, aber eine halbe Stunde vorher, ließ Balli ihm ausrichten, dass er an der Chiozza auf ihn wartete. Genau zu dieser Zeit, um ihm etwas Wichtiges mitzuteilen.
- Senilità, 1898 -

9. THEATER VERDI

Piazza Verdi, 1

Teatro Verdi

Svevo und seine Frau Livia Veneziani besuchten regelmäßig das Opernhaus der Stadt, obwohl Svevo sich mehr fürs Theater interessierte, dessen Aufführungen überwiegend in anderen Sälen stattfanden: denen des Laienspieltheaters und des Schauspielhauses Rossetti.

An diesem Abend traf ich Balli nicht. Später wurde ich von Sorniani aufgehalten, der vom Theater zurückkehrte. Nachdem er mich begrüßte, erzählte er mir, dass er im Theater im ersten Rang Angiolina mit der Mutter gesehen hatte; mit einer Taille aus gelber Seide und einem Hütchen, von dem man nicht mehr als zwei oder drei große Rosen im Gold der Haare sah.
- Senilità, 1898 -

10. CAFÈ FABRIS

Via Caserma, 9 (heute piazza Dalmazia, 4)

Im neunzehnten Jahrhundert markierten die Hügel der Romagna und Scorcola die Grenzen der Stadt. Auf dem Land dieser Anhöhen hatten einige reiche Familien ihre Villen gebaut. Das Café Fabris war ein Ort für Verabredungen und lag dort, wo die Via di Romagna und die Via Fabio Severo zusammenliefen. In den großen Räumen des Cafés spielten Intellektuelle und Geschäftsmänner Billard, schrieben in Ruhe oder lasen die auf den Tischen immer anwesenden Zeitungen und Zeitschriften. Auch Svevo verkehrte in diesem Café und erinnert an dies in Senilitä.

Es könnte sein, dass Angiolina von der Via Romagna aus heimkehre, […] es schien ihm, als ob Angiolina in Begleitung von Giulia und eines Mannes, bei dem es sich um den Schirmmacher handeln musste, vor dem Café Fabris passierte.
- Senilità, 1898 -

11. BERLITZ SCHOOL

Via San Nicolò, 32

1907 muss Svevo, um die Geschäfte seiner Lackfirma, die eine Filiale in London eröffnet hat, zu verfolgen, seine Englischkenntnisse verbessern. Der junge Irländer Joyce, Lehrer an der Berlitz School, kommt dreimal die Woche in die Villa Veneziani, um Svevo zu unterrichten. Oft nahmen auch seine Frau Livia und die Tochter Letizia am Unterricht teil. Die beiden Schriftsteller werden Freunde, die sich gegenseitig sehr schätzen. Es ist Joyce, der in der Nachkriegszeit nach Paris zieht, zu verdanken, dass die französische Kritik und daraufhin die italienische Zenos Gewissen Aufmerksamkeit schenkt.

12. STADTPARK DE TOMMASINI

Ecke via Battisti – via Giulia

GIARDINO PUBBLICO DE TOMMASINI

Die Bronzebüste von Italo Svevo, Werk des Bildhauers Giovanni Meyer, wurde am 26. April 1931 in Gegenwart der Familie und der städtischen Behörden im Stadtpark entblößt. Am 8. September 1939 wurde die Büste umgeworfen und beschmutzt und die faschistischen Zeitungen berichten zufrieden darüber. Im mailändischen “Il Popolo d’Italia -Das italienische Volk” des folgenden Tages liest man: “Eine unnötige Büste beseitigt” und “La Tribuna” von Rom drängt: “Heut Nacht wurde die Bronzebüste Italo Svevos, Schriftsteller der nur aufgrund seines Judentums bekannt ist, von ihrem Sockel genommen”. Unter den vielen Büsten von Künstlern und Triester Persönlichkeiten, die im Park stehen, trifft man auch auf die von Livia Veneziani und James Joyce.

Ich hatte den Stadtpark gerade verlassen, als ich auf meine Schwiegermutter stieß. Anfangs fand ich dies sehr sonderbar: Morgens, so früh, hier, so weit weg von uns? Vielleicht betrog auch sie ihren kranken Gatten.
- La coscienza di Zeno, 1923 -

13. SVEVO MUSEUM

Via Madonna del Mare, 13
tel. 040 6758182 – 8170
fax 040 6758199

www.museosveviano.it

Bei der Erstellung der Tour wurden unter anderem folgende Werke verwendet:

Italo Svevo: Itinerari triestini / Italo Svevo: Triestine Itineraries von Renzo S. Crivelli und Cristina Benussi; Einleitung von Claudio Magris, MGS press, Triest 2006