Umberto Saba

Umberto Saba, Pseudonym von Umberto Poli, kam am 9. März 1883 in einem Haus im alten jüdischen Ghetto in Triest zur Welt. Sein Vater, Ugo Poli, kam 1853 in Triest zur Welt, seine Eltern stammten aber aus Montereale Valcellina im Friaul und Sabas Mutter, Rachele Felicita Coen war eine israelitische Triestinerin. Ugo verließ seine Frau sieben Monate nach der Hochzeit kurz vor der Geburt des Sohns und floh aufgrund seiner Beteiligung an der irredentistischen Bewegung nach Italien. Saba begann schon als Jugendlicher zu dichten. Die Gedichte dieser Zeit sind in dem ersten Teil des Canzoniere mit dem Namen Poesie dell’adolescenza e giovanili-Gedichte aus der Jugend (1900-1907) gesammelt.

Nachdem er eine Zeit lang die Schule unregelmäßig besuchte, begann er mit einer kaufmännischen Lehre. 1903 beginnt er mit dem Studium an der Universität von Pisa. Zu dieser Zeit zeigen sich die ersten Anzeichen seiner Nervenschwäche, durch die er den Selbstmord plant und die ihn sein ganzes Leben lang abwechselnd Behandlungen und Einweisungen aussetzt. Als italienischer Staatsbürger, obwohl er in österreichischem Hoheitsgebiet zur Welt kam, leistete er 1907 seinen Wehrdienst in Salerno. Eine Erfahrung, die sich in seinen Versi militari- Militärische Verse widerspiegelt. Nachdem er nach Triest zurückkehrte, heiratet er 1909 Carolina (Lina) Wölfler, die ein Jahr später die einzige Tochter Linuccia zur Welt bringt. Ab 1912 lebt er gemeinsam mit seiner Frau, mit der er sich gerade wieder nach einer schweren Ehekrise versöhnt hatte, in Bologna; er arbeitet mit der Zeitung “Il resto del Carlino” zusammen und schreibt die Gedichte der Sammlung La serena disperazione – Die heitere Verzweiflung. Dann zieht er für kurze Zeit nach Mailand, um dort als Sekretär in einem Kabarett zu arbeiten. Im Ersten Weltkrieg leistet er in der italienischen Etappe Verwaltungsdienste. Eine Erfahrung, die in dazu inspiriert, die Nuovi versi militari – Neue militärische Verse zu schreiben. Als er in seine Geburtsstadt zurückkehrte, kaufte er ein Buchantiquariat mit dem Namen “Libreria antica e moderna” (antike und moderne Buchhandlung) auf, gemeinsam mit dem Gedichteschreiben wird diese zu seiner Lebensbeschäftigung. In dieser Zeit veröffentlichte er mehrere Gedichtsammlungen in begrenzter Anzahl auf eigene Kosten und endlich 1921, die erste Ausgabe des Canzoniere, die Sammlung, in der all seine Gedichte enthalten sind und die er sein ganzes Leben lang erweitert und verändert (das erste Canzoniere genannte Manuskript, von unschätzbarem Wert, aus dem Jahre 1919 wird in der Städtischen Bibliothek von Triest verwahrt).

Zwischen 1938 und 1945 verlässt Saba aufgrund der Rassengesetze Triest und flieht erst nach Paris und dann nach Rom (er versteckte sich im Haus Ungarettis), nach Florenz (unter anderem bei Montale) und dann nach Mailand. 1945 veröffentlicht Einaudi die zweite Ausgabe des Canzoniere (dieser folgen andere erweiterte und korrigierte Ausgaben) und im folgenden Jahr die Prosa Scorciatoie e raccontini – kurze Aufsätze und Erzählungen (Teil seiner Prosaliteratur sind auch Ricordi – Racconti (Erinnerungen-Erzählungen), Storia e cronistoria del Canzoniere (Geschichte und chronologischer Bericht des Canzoniere) und der unvollendete Roman Ernesto). Saba stirbt am 25. August 1957 an einem Infarkt in einer Klinik in Görz, in der er seit dem Tod seiner Frau am 26. November 1956 untergebracht war.

Trieste von Saba

  1. Geburtshaus
  2. Haus der Amme
  3. Zweiter Wohnsitz
  4. Linas haus
  5. Israelitischer Tempel, Vivante Schule Genannt
  6. Wohnsitz von 1909 bis zum tod
  7. “Italia” kino-theater
  1. Buchantiquariat
  2. Statue
  3. Cafè-Milchgeschäft Walter
  4. Praxis Edoardo Weiss
  5. Cafè Municipio (SPÄTER Garibaldi)
  6. Cafè dei Negozianti
  7. Städtische Bibliothek Attilio Hortis

 

1. GEBURTSHAUS

Via di Riborgo, 25
gibt es nicht mehr; entspricht etwa der heutigen Via del Teatro Romano

via di riborgo

Via di Riborgo begann an dem Piazzetta San Giacomo (gibt es heute nicht mehr) gegenüber der Via del Corso (heute Corso Italia) und verlief durch das jüdische Ghetto, ein Wirrwarr aus unangenehm riechenden Straßen, baufälligen Häusern ohne fließendes Wasser und gemeinsam nutzbaren sanitären Einrichtungen. Zwischen 1934 und 1938 mussten die Einwohner das alte jüdische Ghetto räumen, da es von der faschistischen “Spitzhacke” getroffen wurde. Hunderte Häuser wurden dem Boden gleichgemacht. Unter diesen auch das Haus Sabas. Via di Riborgo machte dem Corso del Littorio, heute Via del Teatro Romano, Platz.

Als ich zur Welt kam, weinte meine Mutter / allein, in der Nacht, imverlassenen Bett. / Für mich, für sie, die der Schmerz verzehrte, / schafften ihre Lieben im Ghetto.

    – Autobiographie (1924) –

2. HAUS DER AMME

Via del Monte, 15

casa della balia
Die ersten drei Jahre seines Lebens wurde Saba einer slowenischen Amme, Peppa Gabrovich, einer katholischen Frau aus dem Volk, anvertraut.
Einige Gedichte wie Il piccolo Berto (Der kleine Berto) erinnern an den Trennungsschmerz Sabas, als die Mutter der Amme auf einmal aus Eifersucht und da diese versuchte ihn katholisch zu erziehen, kündigte.

Das Haus meiner Amme steht / still jenseits der alten Kapelle, / mit geneigtem Blick, sieht es nachdenklich / auf die Hügel zu den freundlichen Zicken.
    – Das Haus meiner Amme (1901) –

 

3. ZWEITER WOHNSITZ

Piazzetta San Giacomo, 1
gibt es nicht mehr: Es schaute auf die Via di Riborgo und den Corso Italia, ungefähr auf der Höhe des heutigen Largo Riborgolargo riborgo

1888 ziehen Saba und seine Mutter zu einer Schwester der Mutter, der Tante Regina, anfangs in die Via degli Artisti 7 und später 1891 in Piazzetta San Giacomo, zuerst in die Hausnr. 3 und später in die Hausnr. 1.
Im Gedicht Dedica a mia zia Regina – Widmung an meine Tante Regina (1921) spricht Saba von der Zuneigung, die er für sie, trotz ihrer “starken Leidenschaft für Witschaftlich- und Sparsamkeit” hegt. Tante Regina ist diejenige die gern seine ersten Gedichte und Erzählungen anhört und sich um die Ausbildung des Neffen kümmert, der dank ihrer 1903 in Pisa studieren kann. Als sie stirbt, hinterlässt Regina ihm 100.000 Kronen.

Oft nehme ich auf dem Heimweg / eine dunkle Straße der Altstadt. / Gelb spiegeln sich in manchen Pfützen / manche Lichter, die Straße ist voll.
    Città vecchia – Altstadt (1910-12) -   

4. LINAS HAUS

Via Domenico Rossetti, 28 (heute 24)

Saba lernt seine zukünftige Frau Carolina Wölfler kennen, die in Via delle Acque 18, heute Via Ruggero Timeus 12 wohnte, 1904, als sie ihm von einem ihrer Cousins vorgestellt wird. Erst zwischen 1907 und 1908, nachdem er den Wehrdienst beendet hat, treffen sich die beiden wieder. Carolina und ihre Familie wohnten damals in Via Domenico Rossetti, 28 (heute 24). Saba, der die Straße, aber nicht die Hausnummer kennt, schlenderte durch Via Rossetti in der Hoffnung Lina zu treffen, als diese am Fenster erscheint, um Geranien zu gießen.

Via del Monte ist die Straße der leidenden Heiligen, / aber die Straße der Freude und der Liebe / ist immerfort die Via Domenico Rossetti.
    - Tre vie – Drei Straßen (1910-12) -

5. ISRAELITISCHER TEMPEL, VIVANTE SCHULE GENANNT

Via del Monte, 3

Am 28. Februar 1909 heiratet Umberto Saba Carolina Wölfler im Vivante Schule genannten israelitischen Tempel, heute Sitz des Carlo und Vera Wagner Museums in der Nähe vom alten jüdischen Friedhof, der bis zu den Hängen des Hügels von San Giusto reichte. Noch in diesem Jahr musste die jüdische Gemeinde die sterblichen Reste ihrer Verstorbenen in den neuen Friedhof in Via della Pace überführen, da die Gemeindeverwaltung den Besitz enteignet hatte, um dort den “ Rimembranza-Park” anzulegen.

In Triest, wo es viel Trauriges, / himmlische und örtliche Schönheiten gibt, / gibt es eine Steigung, die Via del Monte heißt. / Sie beginnt mit einer Synagoge / und endet bei einem Kloster. /
    - Tre vie – Drei Straßen (1910-12) -

6. WOHNSITZ VON 1909 BIS ZUM TOD

Via Chiozza, 56 heute via Francesco Crispi, 56via chiozza

Das erste Haus in dem Saba und Lina gemeinsam leben, befand sich auf dem Land über Montebello, wahrscheinlich auf der Höhe der Hausnummer 141 der Straße von Fiume.
Wie er selber erzählt, schrieb er dort A mia moglie – An meine Frau.
Im Februar 1919 nach Ende des Krieges kehrte Saba, nachdem er aus dem Militärdienst entlassen wurde, nach Triest zurück und ließ sich in Via Chiozza Nr. 56, zuerst im zweiten und später im vierten Stock nieder.

7. “ITALIA” KINO-THEATER

Via Dante Alighieri, 3

Saba hatte immer von Zinsen gelebt, aber nach Ende des Krieges als Triest Italien überlassen wurde, reichte ihm das Erbe der Tante Regina nicht mehr zum Leben. So arbeitete Saba 1919, bevor er das Buchantiquariat eröffnete, einige Monate im Kino-Theater “Italia”, das von seinem Schwager Enrico Wölfler geleitet wurde; er kümmerte sich um die Werbung für die auf dem Programm stehenden Filme und schrieb Werbetexte.

Ich liebe die sonntägliche Menschenmenge, / die überquellt und sobald / sie Platz findet, schwärmend ein wenig / amerikanischen Optimismus genießt.
    - Canto dell’amore – Liebeslied (ein Sonntagnachmittag im Kinematograph) (1925-1930)

 

8. BUCHANTIQUARIAT

Via San Nicolò, 30

LIBRERIA ANTIQUARIA
Libreria Antiquaria: Umberto Saba con Carletto Cerne

Im September 1919 kaufen Saba und sein Freund Giorgio Fano für 4.000 Lire die Buchhandlung von Giuseppe Mayländer, Händler von Büchern aus zweiter Hand. Zuerst wollten sie den Laden freiräumen und ihn daraufhin zu einem höheren Preis weiterverkaufen, aber die alten Bücher (mehr als 28.000) verzaubern Saba, der seinen Teilhaber überzeugt, ein Buchantiquariat zu eröffnen. Saba betreibt die Buchhandlung über fünfunddreißig Jahre: in Primavera d’Antiquario – Frühling eines Antiquitätenhändlers (1926) proklamiert er sich zum “custode di nobili morti”(Hüter edler Dahingegangener).
Während des Zweiten Weltkriegs muss er aufgrund der Rassengesetze vortäuschen seine Aktivität an Carlo Cene, seit 1924 sein Angestellter, abzutreten. Dieser bleibt später zu fünfzig Prozent sein Teilhaber. Nach dem Tod des Dichters führt Cerne die Aktivität weiter und übergibt sie seinem Sohn Mario, der sie noch heute betreibt.

Ich hatte eine schöne Stadt inmitten / der felsigen Berge und dem funkelnden Meer meine / weil ich hier mehr als Andere geboren wurde, Meine / die ich als Knabe entdeckte, und erwachsen / für immer Italien mit Gesang vermählte.
Man musste leben. Und deshalb / wählte ich unter den Übeln, das Würdigste: es war das kleine / alter Bücher rare Lädchen. / Alles nahm mir der unfähige Faschist / und der erwerbstüchtige Deutsche.
    - Avevo – Habe (1944) -

Statua di Saba

9. STATUE

Via Dante

2004 wurde an der Straßenkreuzung von Via Dante und Via San Nicolò eine von Nino Spagnoli erschaffene Bronzestatue, die Saba auf dem Weg zu seiner geliebten Buchhandlung darstellt, aufgestellt. Aufgrund wiederholten Diebstahls wurde die ihn sein ganzes Leben lang begleitende Pfeife, mit der der Bildhauer ihn dargestellt hatte, nicht mehr zwischen die Lippen des Dichters gesteckt.

10. CAFÈ-MILCHGESCHÄFT WALTER

Via San Nicolò, 31

Das Milchgeschäft gegenüber der Buchhandlung war der Ort, wo Saba am liebsten seine Arbeitspausen verbrachte. Bei Walter war er sehr oft am Tag zu finden und wer ihn besuchte, sprach mit ihm am ersten Tisch, gegenüber vom Fenster.
Manchmal, wenn Saba ein Gedicht schreiben und sich konzentrieren wollte, musste sogar Carlo Cerne die Buchhandlung verlassen und bei Walter Unterschlupf finden, bis der Dichter fertig war.

11. PRAXIS EDOARDO WEISS

Via San Lazzaro, 8STUDIO DI EDOARDO WEISS

Zwischen 1929 und 1931 ist Saba bei Edoardo Weiss, einem Triester Arzt in Behandlung, der als Erster die Psychoanalyse von Sigmund Freud in Italien einführt. Saba erklärt, dass die Begegnung mit Weiss für ihn der Beginn einer neuen Lebensphase ist: Er erkennt welche Bedeutung die Amme, mit der er wieder Kontakt aufnimmt und die er oft besucht, in seinem Leben hatte.

Ein Schrei / ertönt vom Kind auf der Treppe. Es weint / auch die Frau, die geht. Das Herz zerbricht / in diesem Atemzug für immer. / Nun / sind vierzig Jahre vergangen. / das Kind / heute ein Mann, fast ein Greis, / hat viel Schönes und Schlechtes erfahren. Das Kind ist Umberto / Saba. In Frieden versucht er / mit seiner Amme zu sprechen, / auch sie hatte ihn voller Unglück verlassen / es war nicht ihr Wille.
    - Il piccolo Berto – Der kleine Berto (1929-1931) -

12. CAFÈ MUNICIPIO (SPÄTER GARIBALDI)

Piazza Grande 4-5 heute piazza dell’Unità d’Italia, 5Piazza Grande

Seit 1905 trafen sich Saba und seine Freunde im Café Municipio im Piazza Grande. Hier traf Saba Silvio Benco, Schriftsteller, Journalist und Kritiker des “Piccolo”, lokale Tageszeitung, dem er seine Schriften zum Lesen gab. Benco erkennt die Originalität und das tragende Wesen seiner Poetik sofort.

In den Jahren die dem Ersten Weltkrieg folgen wird das Café del Municipio zum Café Garibaldi und zur Intellektuellengruppe kommen weitere Mitglieder wie die Schriftsteller Svevo, Joyce, Quarantotti Gambini, Stuparich und der Dichter Virgilio Giotti hinzu.

13. CAFÈ DEI NEGOZIANTI (HEUTE CAFÈ TOMMASEO)

Piazza dei Negozianti, 3 heute piazza Nicolò Tommaseo, 4C

CAFFÈ DEI NEGOZIANTI

 

Das Tommaseo ist eines der ältesten und namhaftesten Cafés von Triest, eines der Ersten mit öffentlicher Gasbeleuchtung und das Erste, in dem man Eis genießen konnte. Auch Saba erinnert in einem Brief an seine Bekannte Nora Baldi, vom 21. Dezember 1953: “ein wunderbares, heute in der ganzen Welt unauffindbares, Pistazieneis gegessen zu haben”. Das Café ist Treffpunkt des aktivsten Teils des intellektuellen Triester Bürgertums, außerdem treffen sich dort die Schauspieler und Sänger aus dem nahegelegenen Stadttheater (heute Theater Verdi).
Nach dem Ersten Weltkrieg trifft Saba im “Tommaseo” oft seine Freunde Virgilio Giotti, Gianni Stuparich und Pier Antonio Quarantotti Gambini.

Was bedeutet, mein Herz, dass ich nach vielen / Jahren, in denen ich meinen Traum nicht mehr verfolgte, / ins Café dei Negozianti zurückkehre.
    - Das Cafè dei Negozianti (1921) 

14. STÄDTISCHE BIBLIOTHEK ATTILIO HORTIS

Via Madonna del Mare, 13
Ph. +39 040 6758200 Fax +39 040 6758199
bibcivica@comune.trieste.it
www.bibliotecacivicahortis.it 

 

Bei der Erstellung der Tour wurden unter anderem folgende Werke verwendet:
Umberto Saba: Itinerari triestini /Triestiner  Umberto Saba: Triestine Itineraries von Renzo S. Crivelli und Elvio Guagnini
MGS press, Triest 2007